Saatkrähen

Saatkrähen auf der Loretowiese in Rosenheim (Foto: K. Moritz)
Saatkrähen auf der Loretowiese in Rosenheim (Foto: K. Moritz)

Kleine Vogelkunde

So erkennen Sie eine Saatkrähe: Sie hat als einzige Krähe ein nacktes, helles Gesicht, herabhängende Federn an den Schenkeln und brütet in Kolonien.

Saatkrähen in Bayern

Saatkrähe im Flug (Foto: Z. Tunka / LBV)
Saatkrähe im Flug (Foto: Z. Tunka / LBV)

Die Saatkrähe ist seit langem Brutvogel in Bayern. Der Brutbestand der Saatkrähe betrug Ende des 19. Jahr­hunderts über 10.000 Paare. Die direkte Verfolgung durch den Menschen führte zu einer Reduktion der Brutpaare auf 600 im Jahr 1955. Nach der Unterschutzstellung 1977 erholten sich die Bestände langsam, so dass 2017  wieder über 11000 Brutpaare gezählt wurden mit Schwerpunkten in Schwaben und Oberbayern.

Die Saatkrähe hat schon immer die Gemüter der Menschen bewegt. Konflikte können in den Siedlungen entstehen, wo die Koloniebrüter als zu laut und schmutzig empfunden werden. Auf landwirtschaftlichen Flächen werden Schäden am Saatgut befürchtet. Wo jedoch Grünland vorherrscht wie z.B. im Voralpenland, kann die Aktivität der Krähen aber sogar als positiv im Sinne der biologischen Schädlings­bekämpfung betrachtet werden. Der Vogel frisst nämlich insbesondere während der Brutzeit von der Landwirtschaft als Schädlinge eingestufte Tiere. Ein Gesamtkonzept zum Umgang mit Saatkrähenkolonien wurde 2011 vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (BLfU) erarbeitet. Die Saatkrähe ist durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt und unterliegt nicht dem Jagdrecht. Das bedeutet, dass weder die Vögel getötet noch Ihre Nester zerstört werden dürfen.

 

Im Winter weilen neben den bayrischen Brutvögeln viele Saatkrähen aus den östlichen Gebieten Europas bei uns. Sie bilden häufig große Trupps an ihren Schlafplätzen und können leicht bei ihren auffälligen Flügen zwischen dort und den Nahrungsplätzen beobachtet werden. Die Zahl der in Bayern überwinternden Saatkrähen übersteigt die der bayerischen Brutvögel deutlich.

Die bayernweite Erfassung der Krähen erfolgt durch das BLfU in Zusammenarbeit mit dem LBV. Für Rosenheim ist Herr Klaus Moritz Ansprechpartner, der die Zählung vor Ort koordiniert und die Daten an das BLfU weiterleitet. Melden Sie uns interessante Beobachtungen oder Informationen bezüglich der Saatkrähen, insbesondere zu Brutkolonien während der Brutperiode von März bis Juni!

Ihr Kontakt zu uns ...

 

 

Situation in Stadt und Landkreis Rosenheim

Die Saatkrähe hat sich im letzten Jahrzehnt auch in Rosenheim und Umgebung angesiedelt. Insgesamt wurden 2020 in Stadt und Land Rosenheim 34 Kolonien mit insgesamt 575 Brutpaaren gezählt. Die meisten Kolonien befinden sich in den Städten Rosenheim und Bad Aibling.

 

Entwicklung der Saatkrähenpopulation in Rosenheim und Umgebung

 

Die Saatkrähen brüten mit einer Ausnahme ausschließlich in Baumgruppen von Laubhölzern. Die Kolonien liegen zumeist in unmittelbarer Nähe zu Straßen und Häusern.

 

Die ersten beiden Kolonien bildeten sich etwa ab 2009 an der Loretowiese und einem Waldstück am Mangfallkanal. In den folgenden Jahren wurden diese beiden Kolonien größer und es entstanden weitere kleinere Nachbarkolonien, vor allem im Norden Rosenheims. 2017 wurde diese Entwicklung unterbrochen, mehrere der kleineren Brutstandorte verwaisten wieder. Besonders auffällig war die Entwicklung dann von 2018 auf 2019 im Bereich der beiden südlichen Kolonien nach einem genehmigten Einschlag durch den Forstbetrieb (Hintergrund: Verkehrssicherheit in Zusammenhang mit dem Eschentriebsterben). Der Holzeinschlag führte zu einer Aufsplitterung der beiden Kolonien in viele kleinere entlang von Kanal und Mangfall.

 

Immer wieder gab es Beschwerden aus der Bevölkerung wegen Lärm- und Schmutzbelästigung. Daher führte die Stadt Rosenheim im März 2020 an der Loretowiese und im Süden an der Hochfellnstrasse eine akustische Vergrämung durch. Bereits im Sommer 2019 hatte die Arbeitsgruppe „Saatkrähe“ des LBV eine ablehnende Stellungnahme zu Vergrämungs­massnahmen verfasst, die dem Umweltausschuss der Stadt zuging. In der Brutsaison 2020 war die Folge der akustischen Vergrämung, wie erwartet, Aufsplitterung und weitere Kolonieneugründungen in der Stadt. Die Anzahl der betroffenen Bürger und Bürgerinnen nahm nicht ab, sondern weiter zu. Auch wenn man durchaus nach vollziehen kann, dass Kolonieanlieger unter dem Lärm  leiden, bleibt klar zu konstatieren: Wie man auch aus Studien vieler anderer betroffenen Siedlungen weiß, sind gut gemeinte Managementmassnahmen sehr häufig nicht geeignet, das Problem zu lösen, sondern verschärfen es leider weiter oder verlagern es nur.

 

Die Verteilung der Brutstandorte in den Städten Rosenheim und Bad Aibling können Sie sich als PDF-Datei "Koloniekarten Saatkrähen" herunterladen.