„Greifvögel werden zum Problem“: Leserbrief zum Artikel im OVB vom 12.5.2016

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

im OVB vom 12.5.2016 wurde über eine Versammlung der Brieftaubenzüchter im Oberland und über die dort erhobenen Forderungen nach ein Eingriffen in unsere Greifvogelbestände berichtet. Die dort zitierten Behauptungen und Forderungen der RV Oberland entsprechen nicht den Tatsachen und können so nicht unwider­sprochen bleiben. Wir bitten Sie daher um Veröffentlichung des nachfolgenden Leserbriefs:

Brieftaubenzüchter spielen gerne die Tierschutzkarte - auch die RV Oberland: Ihre armen Tauben und die bösen Greifvögel, in deren Krallen diese qualvoll verenden... Der Blick hinter die Kulissen ist jedoch entlarvend: Brieftauben sind Leistungssportler wider Willen. Nicht umsonst stehen Brieftaubenzüchter regelmäßig für ihre Praktiken, mit denen sie die Hochleistungen erzwingen, und für ihr Desinteresse an den Tieren, die erschöpft buchstäblich auf der Strecke bleiben, in der Kritik. Wenn die Mitglieder der RV Oberland also den Verlust von über 600 Reisetauben beklagen, und Sperber, Habicht oder Wanderfalke dafür zum Sündenbock machen wollen, ist das eine Milchmädchenrechnung, mit der sie sich selbst in die Tasche lügen: 25-30 % Verluste gelten bei Brieftaubenzüchtern als normal - aber nur ein Bruchteil davon gehen auf das Konto von Greifvögeln. Und selbst an den Verlusten, die diesen tatsächlich zuzuschreiben sind, tragen die Züchter Mitschuld: Sie zwingen ihre Vögel zu langen, kraftzehrenden Flügen - und wenn diese dadurch geschwächt sind und zu leichter Beute werden, dann sollen die bösen Greifvögel schuld sein...

Soweit zum Tierschutzaspekt. Nicht vergessen darf man daneben aber, dass es in der Brieftaubenzucht auch um handfeste wirtschaftliche Interessen geht: Erfolgreiche Brieftauben wechseln für tausende, manchmal zehntausende Euro den Besitzer. Der Verlust eines solchen Tieres tut weh - unbestritten! Aber dennoch geht es nur um ein Hobby und wirtschaftliche Interessen einiger weniger: 40 Mitglieder der RV Oberland fordern die Dezimierung unserer Greifvogelbestände...und maßen sich an, um ihres Hobbys und ihres Profits willen über 600.000 Mitbürgerinnen und Mitbürgern in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Ebersberg, Miesbach und Rosenheim diktieren zu wollen, welche Tiere in der Natur ihrer Heimat ein Lebensrecht haben und welche nicht! Dabei ist es unser aller, ist es „öffentliches“ Interesse im wahrsten Sinne des Wortes, in einer vielfältigen, artenreichen Natur leben zu können, Sperber, Habicht und Wanderfalke sind Teil dieser Artenvielfalt, die wir alle uns wünschen, und dass sich ihre Bestände wieder etwas stabilisiert haben, ist eine Bereicherung für alle, die sich an unserer Natur freuen können. Dass das Gemeinwohlinteresse an einer gesunden, lebenswerten Umwelt höher zu bewerten ist, als die primär wirtschaftlichen Partikularinteressen einer verschwindend kleinen Minderheit unserer Bevölkerung, deren Praktiken viele Tierfreunde noch dazu sehr zu recht mit großem Misstrauen beäugen, steht da wohl außer Frage!

Mit freundlichen Grüßen

Ulrich Lanz


Die Zeitschrift Ludwig hat ausführlich über eine Vogelstimmenwanderung mit Martin Walter berichtet.

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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