Erinnerungen an Hermann Michael - März 2014

 

Mitglieder der Kreisgruppe erinnern sich an Hermann Michael, ihre Erlebnisse mit ihm und warum sie ihn nicht vergessen werden.

Hatten auch sie denkwürdige Erlebnisse mit ihm, die Sie mit anderen teilen möchten? Schicken Sie Ihre Texte an unsere Kreisgruppen-E-Mail.


Wolfgang Wolter schreibt:

"Hermann Michael hatte als Hobby-Musiker (Violine, Bratsche, er war Mitglied in einem Rosenheimer Orchester) ein phänomenales Gehör für Vogelstimmen, auch wenn es mehrere verschiedene gleichzeitig waren. Seine Vogelstimmen-Wanderungen werden unvergessen bleiben."


Martin Walter schreibt:

"Lieber Hermann,

mit großer Bestürzung habe ich am vergangenen Mittwoch auf der Kreisgruppensitzung von deinem Tod erfahren. Auch wenn sich Krankheit - wie in deinem Fall - deutlich sichtbar äußert, so bin ich trotzdem immer wieder tief betroffen, wenn sie in den Tod mündet.

 

 

Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich dich und deine Frau Irmgard im letzten Sommer noch besuchen konnte. Wir haben einen wunderschönen Nachmittag bei euch im Garten verbracht, voller Stolz hast du mich darin herumgeführt und mir die Pflanzen und Tiere darin gezeigt. Als in einem Busch eine Mönchsgrasmücke zu warnen begann, kam gleich wieder der Vogelstimmenlehrer durch in dir und du fragtest, welcher Vogel das sei. Ich habe ihn natürlich sofort erkannt, aber ich wusste auch gleich deine Beschreibung "wie wenn man zwei Feuersteine aneinander schlägt". Diese Beschreibung habe ich von dir übernommen und verwende sie auch immer in meinen Vogelstimmenwanderungen.

 

 

Deine Vogelstimmenwanderungen! Ich weiß leider nicht mehr, was mich damals dazu bewogen hat eine Vogelstimmenwanderung zu besuchen. Denn mit Vögeln hatte ich damals noch nicht viel am Hut, sondern bis dahin handelte es sich eigentlich nur eine allgemeine Naturverbundenheit. Dabei geblieben bin ich aber nicht nur weil mich das Thema langsam zu interessieren begann, sondern auch weil mich dein Witz und dein Charme in den Bann gezogen haben.

 

 

Als ich dich zum ersten Mal sah, kamst du mir gleich bekannt vor. Erst später fiel mir ein, dass wir uns wohl schon in den Proben des Musikvereins Rosenheim gesehen hatten: du spieltest dort Bratsche, ich sang im Bass.

 

 

Jedenfalls warst du mir auf Anhieb sympathisch und ich wollte keine deiner Exkursionen mehr missen, war so oft ich konnte dabei.

 

 

Bei deinen Exkursionen war eine deiner "gefürchteten" Eigenarten, dass du Vögel, die man an diesem Tag schon ein paar Mal gehört hatte, mit einem gespielten Unterton der Verwunderung abgefragt hast. Da war dann immer absolute Stille in der Runde und manch einer ahnte wohl, dass es sich auch diesmal wieder um eine Mönchsgrasmücke handelte, aber weil du so überrascht tatest, traute sich das niemand zu sagen. Bin dann irgendjemand aus der Runde völlig verunsichert fragte, ob das denn keine MöGraMü sei. Dann lachtest du schelmisch und sagtest "Natürlich ist das eine Mönchsgrasmücke!". Dieses Bild habe ich immer noch vor Augen, als wenn es gestern gewesen wäre.

 

 

Ein besonderes Erlebnis waren deine Führungen auf der Herreninsel. Auch wenn man früh aus dem Bett musste und sie immer sehr lange dauerten - diese Führungen hatten ein besonderes Flair: die Ankunft bei Sonnenaufgang, die stille, sonst von Menschenmassen überschwemmte Insel, die wunderbare Landschaft - einfach herrlich.

 

 

Auf einer deiner letzten Exkursionen sagtest du, das sei eine der lustigsten Exkursionen gewesen die du jemals geleitet hast. Ja, obwohl solche Exkursionen oft langweilig und trocken daherkommen, ging es bei uns immer auch lustig zu.

 

 

Im Frühjahr 2010 riefst du mich dann eines Tages an und erklärtest mir, dass du wegen deinem Parkinson deine Exkursionen in Rosenheim, Bad Aibling und im Grabenstätter Moos nicht mehr weitermachen könntest, die Exkursionen seien aber im "Zugvogel" schon angekündigt und ob ich sie nicht übernehmen würde. Mir war zwar nicht ganz wohl dabei, aber ich sagte zu.

 

 

Seitdem bin ich Referent bei diesen Vogelstimmenwanderungen. Meine anfängliche Sorge, ich könnte dafür nicht gut genug sein, hat sich als unbegründet herausgestellt, da die Verantwortung für diese Exkursionen natürlich einen enormen Motivationsschub mit sich brachte. Beinahe auf jeder dieser Exkursionen tritt mal der Fall ein, dass man eine Vogelstimme nicht erkennt. Aber von dir habe ich gelernt, dass das kein Problem ist, wenn man es sich und den Teilnehmern ehrlich eingestehen kann.

 

 

Deine humorvolle Art ist nun auch für mich Vorbild, denn es überbrückt schnell Distanz und erleichtert dadurch den Umgang mit den Menschen sehr.

 

 

Sowohl bei deinen Vogelstimmenwanderungen als auch später, als ich mich stärker für das Thema Ornithologie interessierte und engagierte, habe ich einige wundervolle Menschen kennengelernt. Auch dafür danke ich dir.

 

 

Einer der Hauptgründe warum ich dich letztes Jahr besucht habe, war der, dass ich unbedingt wollte, dass du weißt wie viel mir deine Vogelstimmenwanderungen immer noch bedeuten. Durch dich habe ich ein wundervolles Hobby kennengelernt, das mich inzwischen mit Herz, Haut und Haaren erfüllt. Ich sagte dir damals beim Abschied, dass du mein "Vogelvater" bist. Du warst davon sehr ergriffen.

 

 

Lieber Hermann - danke dafür dass du mein Leben so bereichert hast!

DANKE!"

 

 

Bilder von Exkursionen mit Herrmann Michael

Alle Fotos: Maschmeyer

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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